Die Gemeinsame Jugendabteilung der drei Greifswalder Segelvereine Akademischer Seglerverein zu Greifswald, Greifswalder Yachtclub und Yachtclub Wieck wurde 1993 gegründet.

Den Grundgedanken auf nur einer einzigen A4-Seite festgehalten, ist die Zusammenarbeit in der Jugendabteilung mittlerweile ein festes Bindeglied für ein freundschaftliches und konstruktives Miteinander der drei Vereine.
Erinnerungen von Dirk Brandenburg (Brandy)

Als ich 1969 das erste mal das damals noch neue Bootshaus der HSG Wissenschaft Sektion Segeln betrat, um das Segeln zu erlernen gab es vier Optimisten, die im Werkunterricht der Wiecker Schule gebaut und durch die Kinder gepflegt und gesegelt worden sind. Ausgerüstet mit Baumwollsegeln erfüllten sie die Ansprüche für eine seglerische Grundausbildung. Ein Motorboot gab es nicht. Die Trainingseinheiten wurden vom Übungsleiter von Land aus geleitet und abgesichert. Haupttrainingsrevier war der Hafen bis zum Molenkopf. Das war uns Einheit Greifswald etwas voraus. Sie hatten ein Motorboot, Optis und sogar schon Cadets und konnten auf der Dänischen Wiek trainieren. Dr. Hildegard (Hildchen) Elze und Dr. Horst Lubs waren damals bei uns Übungsleiter.
1971 Gründung des „Trainingszentrum Segeln“
Im Jahr 1971 wurde in Greifswald das Trainingszentrum Segeln gegründet. Damit wurden die Jugendabteilungen der HSG und Einheit zusammengeführt und es gab in der Folgezeit neue Boote vom DTSB. Dr.Horst (Länging) Lubs wurde zum Leiter des Trainingszentrums Greifswald gemacht und die Jugendarbeit nahm unter seiner engagierten Leitung einen kräftigen Aufschwung. Wichtig für ihn war immer, dass die älteren Jollensegler sich um die Jüngeren kümmerten und diese auch durch sie trainiert und betreut wurden.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Teilnahme an Regatten im damaligen Bezirk Rostock. Der Transport wurde durch die Uni-Fahrbereitschaft abgesichert, mit der ein Patenschaftsvertrag geschlossen wurde. Sie erfolgten dann erst auf offenen und später auf geschlossenen LKW, was aus heutiger Sicht doch recht abenteuerlich war. Ich erinnere mich an einen Transport nach Wolgast 1971, meiner ersten Opti-Regatta, bei der wir auf dem offenen LKW auf der Ladefläche zwischen den Booten mitfuhren. Zum verzurren der Boote nahmen wir unsere Schoten und Fallen und es kam nicht selten vor, das am Zielort nicht mehr alle heil waren oder die Ladung unterwegs verrutschte und ein Halt eingelegt wurde, um die Ladung neu zu verzurren (sehr zum Ärger der Kraftfahrer, die ja nicht leer zurückfahren durften , und damit erst spät zu Hause waren). Im Übrigen bin ich bei dieser Regatta nicht einmal ins Ziel gekommen, weil ich ständig vollgelaufen bin.
In den folgenden Jahren bestimmten zwei Steuerleute das Leistungsniveau im Cadet des Bezirkes Rostock entscheidend mit, Martin Subklew und Volkmar Stiesch. Martin gelang sogar das Kunststück sich 1975 mit seinem Vorschotmann Andreas Hetmanek (ja, genau der heutige Gastronom in Wieck) für die DDR-Kinder- und Jugendspartakiade zu qualifizieren, gegen die starke Konkurrenz aus den Sportclubs.
Dieter Grünke übernimmt die Leitung
Nach dem Tod von Dr. Horst Lubs übernahm Dieter Grünke das Ruder im Trainingszentrum Greifswald. Seiner geschickten Verhandlungsführung war es zu verdanken, dass neue Boote angeschafft werden konnten. Auch wurde der Leistungsgedanke mehr in den Vordergrund gerückt, ohne den Freizeitsport zu vernachlässigen. So konnten insgesamt fünf Sportler zum Sportclub „Empor“ Rostock delegiert werden. Unter ihnen Dietmar Wendel, der mit seinem Steuermann Sven Kaiser 1986 Juniorenweltmeister in der 470-er Klasse wurde.
Nach der Wiedervereinigung
1989 dann die Wende, die Trainingszentren wurden mit der Abwicklung des DTSB aufgelöst und das Bootsmaterial wurde den Vereinen übergeben. Der ASV zu Greifswald wurde wiedergegründet, aus Einheit Greifswald wurde der Greifswalder Yachtclub, aus der BSG KKW Greifswald der Yachtclub Wieck und aus der BSG „Wissenschaft“ Riems wurde der Riemser Seglerverein. Jeder machte jetzt mehr oder weniger sein Ding. Bei uns im ASV wurden bald Stimmen laut, die das Kinder- und Jugendsegeln zugunsten der intensiveren studentischen Arbeit aufgeben wollten, sie konnten sich aber nicht durchsetzen.
Gründung der GJA

In der Folgezeit zeigte sich, dass der Bootspark für die Kinder und Jugendlichen den Ansprüchen an modernes Segeln nicht mehr genügten. Um diesen aber zu erneuern, bedurfte es erheblicher finanzieller Mittel. Da die Vereine ohnehin schon bei der Ausrichtung und Durchführung von Regatten im Kinder- und Jugendbereich eng zusammen arbeiteten war die logische Konsequenz die Gründung der Gemeinsamen Jugendabteilung 1993. Es ermöglichte die Bündelung der Finanzen, eine intensivere Trainingsarbeit und als kleiner Nebeneffekt rückten auch die Vereinsführungen und -mitglieder näher zusammen.
Auch die sportlichen Erfolge ließen dann nicht lange auf sich warten. Bis heute ist und war die Entscheidung für die Gemeinsame Jugendabteilung eine richtige und weitreichende Entscheidung. In vielen Städten sind wir jetzt Vorbild für die Gründung eben solcher Jugendabteilungen, unsere Erfahrungen werden nachgefragt und ab und an berichten wir über Erfolge aber auch Herausforderungen, die es mit so einer Jugendabteilung gibt.
(geschrieben von Brandy zum 100-jährigen Jubiläum des ASV im Jahr 2008)
Weiteren Meilensteine in der GJA

Bau des eigenen Domizils
Nach vielen Jahren in der Bootshalle der Universität/HSG haben wir 2001 unser eigenes Domizil auf dem Gelände des Yachtclub Wieck gebaut. Von allen liebevoll „Villa Hügel“ genannt, gibt es nun eigene Umkleidekabinen, Lagerstätten für den wachsenden Materialbestand, eine kleine Werkstatt und einen Schulungsraum für die Vor- und Nachbereitung der Trainingseinheiten. Während der Saison sind nun auch die Wege zur Slipanlage und raus auf’s Trainingsrevier deutlich kürzer.
Die neue Bootshalle
Endlich mehr Platz: Die neue Bootshalle direkt neben „Villa Hügel“ wurde 2024 nach langer Planung eingeweiht. Während der Saison stehen die Optis nun aufgeriggt im Trockenen, im Winter werden hier nun alle Boote eingelagert – ein echter Qualitätssprung für Materialpflege und Trainingslogistik. Mit Eigenmitteln der drei Vereine, Fördermitteln des Landes und Unterstützung der Hansestadt wurden 190.000 € investiert.


Auszeichnung des Sportfördervereins
Im Oktober 2024 zeichnete der Sportförderverein der Hansestadt Greifswald e.V. die gemeinsame Jugendabteilung der drei Greifswalder Segelvereine mit dem „Blauen Band 2024“ aus – verbunden mit 1.000 € Sportförderung. Die Begründung passt zu uns: hervorragende sportliche Leistungen und großes ehrenamtliches Engagement.