
Ribnitz hatte am 15. und 16.08. die Europe’s und Finn’s zum Küstencup auf den Saaler Bodden geladen. Bei 3-5 Bft und glänzender Organisation, die Felder jeweils um 15 Boote und die Crews durchwachsen von jung bis alt ging es ab 12.00 auf die Bahn. Die Europe-Klasse war mit etwa der Hälfte traditionell von Frauen besetzt. Sie konnten nicht nur sehr gut segeln, sondern stellten auch die Siegerin nach fünf Wettfahrten.
Mit 70 Jahren waren eine Frau und ich die Ältesten der Klasse. Erwartungsgemäß reihten wir uns dann auch hinten in der Wertung ein. Die vier Wettfahrten am Samstag stellten für uns beiden Alten dann doch eine physische Herausforderung dar, denn der Wind hatte in Wettfahrt drei auf 18 kts aufgefrischt und einige Kenterungen auch bei Jüngeren zur Folge. Meine Halsen klappten und so blieb ich trocken. Trotzdem entschieden sich die drei älteren Teilnehmer die vierte Wettfahrt an diesem Tag nicht zu fahren. Ich fror und war einfach k.o.. Mir wurden an diesem Tag erneut die altersbedingten physischen Grenzen aufgezeigt und so habe ich mich entschieden, zumindest das Regattasegeln in dieser Klasse zu beenden, sollte nicht gerade nur ein laues Lüftchen wehen. Chapeau den Damen, die das scheinbar recht locker meisterten.
Am Sonntag konnte ich zumindest ein kurzes Aha setzen, indem ich am Startschiff aus zweiter Reihe startete und dann gleich nach Steuerbord weg wendete. Schon beim Einsegeln bemerkte ich diese Seite zum Land hin als die Bessere, denn günstige Drehung und kleinere Welle hatte ich scheinbar als Einziger als Vorteil erkannt. Und so landete ich an Tonne 1 im Mittelfeld. Leider konnte ich die Platzierung nicht halten, denn an Tonne 2 wäre ich bei der Halse fast abgeschmiert und musste dadurch noch eine Kuhwende fahren, was mich zuviel Zeit kostete. Zack, zack und schon waren alle vorbei. Auch an diesem Tag gab es noch wieder einige Kenterungen, denn es blies immer noch gut mit etwa 4 Bft.

Ribnitz war für mich wie in den letzten Jahren wieder eine Reise wert, wenn auch noch einmal sehr anstrengend und kräftezehrend, aber wieder schön. Die Sonne meinte es gut bei angenehmen Temperaturen und die Organisatoren hatten alles gut im Griff. Ihnen gelten mein Dank und meine Anerkennung.
Noch eine Randnotiz: Schon in den 70er Jahren wurde die Europe in der ostdeutschen Seglerzeitung vorgestellt. Ich fand sie damals schon sehr interessant, doch erst nach der Wende war sie im Osten dann auch erhältlich. In meiner Jugend war die OK-Jolle das prägende Boot für mich, was mich mit dem Normalrigg stets unheimlich gefordert hat und so beschloss ich 1995 eine Europe privat zu kaufen. Kurze Zeit später überführte ich diese in den Verein, um dann nach und nach die Europe als Klasse für die Mädchen in der Jugendabteilung zu etablieren. Am Ende segelten die Mädchen der Jugendabteilung die fünf angeschafften Boote, doch die Zeit der Boote währte nicht lange, denn als olympische Klasse wurde sie nach Olympia 2004 durch den Laser Radial ersetzt, so auch bei uns zu meinem Bedauern. Alle fünf Europe’s wurden kurzerhand auf einen Schlag gegen meinen Willen verkauft. Einige Jahre später konnte ich eine dieser Europe’s für mich zurückkaufen und so konnte ich noch viele schöne Stunden in dieser Bootsklasse erleben. Die Europe ist längst nicht tot, auch wenn sie zahlenmäßig keine Riesenfelder hervorbringt, doch es freut mich um so mehr, wenn ich vor allem Frauen im gestandenen Alter, aber auch Männer in dieser Klasse segeln sehe. In Greifswald ist das momentan nicht der Fall, doch vielleicht gibt es irgendwann noch einmal ein Wiedererwachen.
Rolf-Dieter Nagel







