
Eine Woche vor dem BoddenSolo war ich zum ersten Mal überhaupt alleine mit der Øverdriva unterwegs. Entsprechend überschaubar war meine Erfahrung im Einhandsegeln als es an den Start ging. Das BoddenSolo am 12.09.2026 war meine erste Singlehand-Regatta, nachdem ich zuvor bereits zweimal Doublehand mitgefahren war. Ganz ungelegen kam mir deshalb nicht, dass wir in der Gruppe „Singlehand YS ab 100“, also bei den langsameren Booten, als letzte Gruppe starteten. So konnten wir uns erst einmal anschauen, was die Klassen vor uns machten und gleichzeitig war auf unserer eigenen Startlinie genug Platz, um sich nicht direkt gegenseitig das Leben schwer zu machen.

Der Start bei westlichen Winden verlief dadurch vergleichsweise entspannt und für mich sogar fast pünktlich… Anschließend ging es für uns auf Backbordbug hoch zur Luvtonne LD10. Mein Plan war, möglichst früh einen Schlag zu machen und damit aus den Abwinden der anderen Boote herauszukommen. Was in der Theorie nach einer guten Idee klang, brachte mir allerdings ziemlich schnell die erste Erkenntnis des Tages: Manöver dauern alleine einfach länger. Bis ich alles sortiert hatte, war der erhoffte Vorteil weitgehend dahin. Obwohl ich die Luvtonne anschließend etwas von unten anlaufen konnte, machte ich dadurch keine wirklichen Plätze gut. Auf der Layline lag ich schließlich knapp hinter Rubin, während Déjà-vu und MinDroom bereits um die Tonne herum waren und auf den Downwind gingen.

Nach dem Abfallen Richtung Ansteuerungstonne Greifswald begann ich zum ersten Mal überhaupt, den Spinnaker alleine zu setzen. Was mit Crew normalerweise recht schnell erledigt ist, fühlte sich einhand dann doch nach deutlich mehr Arbeit an. Nach einigen Minuten Sortieren, Ziehen und Fluchen stand er schließlich tatsächlich. Kurz darauf fuhr ich ungefähr auf Höhe der Rubin Richtung Tonne Greifswald. Déjà-vu war unter Spi bereits etwa eine Seemeile voraus und lief etwas höher als wir. Kurz vor der Bahnmarke änderten sich die Bedingungen dann deutlich. Der Wind drehte und frischte auf etwa 3 bis 4 Beaufort auf. Bei Rubin konnte ich beobachten, wie der Spi zunehmend schwer zu kontrollieren war und schließlich geborgen wurde. Déjà-vu hingegen war schon günstig positioniert und konnte den Winddreher mit dem Spi gut nutzen, um den Abstand weiter auszubauen.
Bei mir sah das Ganze etwas weniger elegant aus. Mein Spi stand inzwischen eher mäßig und die letzten paar hundert Meter bis zur Tonne wurden ziemlich zäh. Ich rollte zusätzlich die Fock aus, um etwas Druck aus dem Spi zu nehmen, und versuchte mich irgendwie bis zur Tonne durchzukämpfen. Mein Ziel war vor allem, den Spi oben zu behalten, damit ich nach der Rundung abfallen und ihn auf dem anschließenden Kurs weiter nutzen konnte. Das funktionierte tatsächlich und es ging dann mit ordentlich Fahrt weiter Richtung Tonne Vierow. Erst ungefähr drei Bootslängen vor der Tonne holte ich den Spi runter und ging anschließend auf Amwindkurs Richtung Ariadne.

Nach Ariadne begann die Kreuz Richtung Fahrwasser Stralsund. Inzwischen kamen uns bereits die schnellen Boote aus der YS1-Gruppe unter Gennaker entgegen. Während ich also noch auf dem Weg nach oben war, waren sie auf dem Rückweg schon wieder deutlich schneller unterwegs. Kurz vor Tonne Stralsund 3 wurde ich schließlich auch von der Melges Sputnik auf dem Amwind überholt. Nach der Rundung von Stralsund 3 durfte der Spi dann ein zweites Mal nach oben. Von dort ging es wieder herunter Richtung Tonne Greifswald. Nur hatte der Wind inzwischen andere Pläne. Statt der vorherigen 3 bis 4 Beaufort ließ er immer weiter nach und pendelte sich irgendwann bei ungefähr 1 bis 2 Beaufort ein. Zeitweise zeigte die Logge trotz gesetztem Spi gerade einmal etwa 2,5 bis 3 Knoten. Das hatte nun deutlich weniger mit wildem Einhand-Regattasegeln und etwas mehr mit geduldigem Warten auf Wind zu tun.
An der Tonne Greifswald kam dann wieder das inzwischen schon vertraute Programm: Spinnaker runter, Boot für den nächsten Kurs vorbereiten und dabei möglichst wenig Geschwindigkeit verlieren. Fast zeitgleich barg auch die Champus ihren Spi, die ebenso mit dem wenigen Wind zu kämpfen hatte. Danach wartete nur noch der letzte Amwindschlag Richtung Ziellinie. Im Ergebnis kam ich schließlich als Letzter meiner Gruppe ins Ziel. Natürlich fährt man eine Regatta nicht mit dem Ziel, Letzter zu werden. Trotzdem war das Ergebnis an diesem Tag für mich eher zweitrangig. Eine Woche zuvor war ich überhaupt zum ersten Mal alleine mit der Överdriva gesegelt. Beim BoddenSolo hatte ich dann nicht nur das Boot einhand über den gesamten Kurs gebracht, sondern auch mehrfach alleine den Spinnaker gesetzt und geborgen, Tonnenmanöver gefahren, navigiert, getrimmt und versucht, nebenbei noch halbwegs schnell zu segeln (mit mäßgigem Erfolg…).

Mein Respekt vor den erfahrenen Singlehand-Seglern ist nach diesem Tag deshalb noch einmal deutlich gestiegen. Nicht nur, weil sie das alles alleine schaffen, sondern weil sie es schaffen, das alles alleine und dabei auch noch schnell zu machen. Für mich war das erste BoddenSolo jedenfalls eine ziemlich spannende Erfahrung. Und spätestens bei der anschließenden Afterparty mit Catering war auch die Anstrengung des Tages schnell wieder vergessen.
Ein großen Dank auch nochmal an alle Organisatoren und Helfer für dieses tollen Event!
Eric Eweleit







