
Wer beim Hanse Cup mitsegeln will, braucht keinen Vereinsausweis – aber eine Hanse oder Dehler im Hafen. Denn anders als die meisten Regatten der Region wird er nicht von einem Segelverein, sondern direkt vom Hersteller ausgerichtet: von der Hanse Vertriebs Gesellschaft (HVG). Zum 28. Mal ging es vom 4. bis 8. September 2026 rund um den Greifswalder Bodden und den Strelasund, mit 38 Booten am Start – mehr als im Vorjahr, und damit gegen den Trend in der Region, wo die Meldezahlen sonst eher schrumpfen. Wer sich fürs erste Septemberwochenende entscheidet, muss sich allerdings festlegen: Traditionell liegt der Termin parallel zur Ueckermünder Haffregatta – zwei Regatten, ein Wochenende, eine Entscheidung.
Die zweite Eigenheit: Bunte Tücher bleiben unten. Spinnaker und Gennaker sind verpönt, gesegelt wird mit der Ausgangsbesegelung – bei den Hansen serienmäßig mit Selbstwendefock, bei den Dehlern mit Fock oder Genua. Das nimmt den Booten ein bisschen Regatta-Ernst und gibt dem Ganzen mehr Familienausflug-Charakter: Mit an Bord waren diesmal einige Crews mit halb weiblicher, halb männlicher Besetzung – bei anderen Regatten der Region leider eher die Ausnahme als die Regel.

Los ging’s Freitagabend in Greifswald, bei Buffet und Bierwagen: alte Bekannte, die sich einmal im Jahr wiedersehen, dazu die erste Steuermannsbesprechung mit Startnummern und Klasseneinteilung – Letztere übrigens jedes Jahr aufs Neue eine kleine Überraschung, denn wie die Flotte in Klassen aufgeteilt wird, steht vorher nicht fest. Beim Kicker-Turnier ging’s nebenbei schon um die ersten Siege. Die entspannte Anspannung vor dem ersten Startschuss, könnte man sagen.
Der ließ dann aber auf sich warten: Die Wettfahrt von Greifswald nach Stralsund fiel am Samstag der Wetterprognose zum Opfer – zu viel Wind angesagt, die Wettfahrtleitung entschied sich für Sicherheit statt Segelspaß. Ein Großteil der Flotte kam trotzdem pünktlich in Stralsund an, notfalls eben nur unter Selbstwendefock. Entschädigt wurde der ausgefallene Start abends im Stralsunder Ozeaneum, wo beste Stimmung herrschte. Für den Rest des verlängerten Wochenendes zeigte sich der Wettergott ohnehin deutlich versöhnlicher: ausreichend Wind, öfter auch Sonne satt.

Die zweite Etappe am Sonntag, von Stralsund nach Lauterbach, führte erst im Vorwindkurs den Strelasund hinunter, dann auf Reach weiter Richtung Rügen – taktisch blieb da wenig zu holen. Wie es unter Seglern heißt: „Vor dem Wind treiben kann auch ein Sack Stroh.“ Bei diesen Bedingungen durften auch mal die sonst eher zweitplatzierten Boote vorne mitspielen. Abends gab’s die nächste Belohnung: exzellentes Essen im kleinen Leuchtturm von Lauterbach, wo zum Ausklang auch noch ein Zauberer auftrat.
Anspruchsvoller wurde es dann am Montag und Dienstag: Die Kurse von Lauterbach nach Peenemünde und zurück nach Greifswald führten jeweils über eine lange Kreuz durch den Greifswalder Bodden – hier kam neben sauberem Segeln auch wieder die Taktik ins Spiel.
Sportlich ist beim Hanse Cup ohnehin nur die halbe Miete. Vier Abende Rahmenprogramm – Freitag bis Montag – gehören genauso dazu, und traditionell wird in Peenemünde am kräftigsten gefeiert: Bei Livemusik wurde noch einmal ausgiebig getanzt – in diesem Jahr dank der Crew vom Yachthafen Peenemünde Nord bis in die frühen Morgenstunden. Für die gute Stimmung auf dem Wasser sorgt derweil Wettfahrtleiter Tom Hausch, der zwischen Startprozeduren auch mal daran erinnert, genug zu trinken und sich einzucremen – Startverfahren, die selbst ohne Regattaerfahrung verständlich bleiben. Von jedem Start gibt es zudem eine Videoaufzeichnung, die im Zweifel eine genaue Analyse erlaubt.

Am Ende stand die Asia de Cuba von Dr. Jörg Krohn ganz oben in der Gesamtwertung aller Hanse-Boote – wenig überraschend, aber verdient. In der Klasse Hanse 315–350 siegte Volkmar Lang mit Rupp Rüpel, bei den größeren Hanse 430–470 Sven Baumert mit SVAN, bei den Dehler 29–44 Adrian Wiedenbach mit Lyra.
Dienstagnachmittag ging’s dann zurück nach Greifswald, wo bei der Abschlussveranstaltung die Ergebnisse verkündet wurden – mit genau dem Maß an Spannung, das ein Wochenende ohne Spinnaker eben zulässt. Die vollständigen Ergebnislisten gibt’s hier.
Dass daraus Jahr für Jahr ein rundum gelungenes Event wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Dafür gebührt der HVG ein dickes Dankeschön: fürs Ausrichten der ganzen Regatta, fürs Auftreiben der Sponsoren dahinter und für ein Rahmenprogramm, das noch lange im Gedächtnis bleibt.
Wer selbst eine Hanse oder Dehler im Hafen liegen hat und bisher gezögert hat: Regattaerfahrung braucht’s beim Hanse Cup nicht, bunte Segel auch nicht – nur gute Laune und Kondition für vier Abende Programm. Boote gäbe es in der Region jedenfalls genug, die bisher nicht dabei waren. Termin ist wie immer das erste Septemberwochenende – 2027 wird das aller Voraussicht nach der 3. bis 7. September. Vormerken lohnt sich.

An Bord der Champus
Mitgesegelt sind Nadine, Iris, Marcus und ich – zu viert unterwegs übers verlängerte Wochenende.
Nachdem die erste Wettfahrt am Samstag ausgefallen war, ging’s stattdessen entspannt unter Fock nach Stralsund – bis uns ein baugleiches Schiff aus unserer Klasse spürbar enteilte, während wir mit dem Rest des Feldes auf Augenhöhe blieben. Das sorgte für echte Sorgenfalten mit Blick auf die kommenden Wettfahrttage – sollte das Boot tatsächlich so viel schneller sein, würde es eng werden. Pikant: Laut Yardstick hätte es eigentlich einen Punkt langsamer sein müssen als wir. Eventuell unerlaubter Vortrieb?

Am Sonntag dann die eigentliche Aufregung: Nach unserer Uhr exakt auf den Punkt gestartet, nach Ansicht der Wettfahrtleitung eine Millisekunde zu früh. Also zurück über die Linie und das komplette Feld von hinten aufgerollt. Ruhig wurde es auf dem Weg nach Lauterbach trotzdem nicht: Halsen wollten vorbereitet, Schoten rechtzeitig umgelegt werden, alle Hände waren im Einsatz. Hat, mit Verlaub, hervorragend funktioniert – am Ende stand der Tagessieg.
Der Start am Montag war ruhiger, sorgte aber im Nachhinein für Gesprächsstoff: Es gab Diskussionen darüber, wie man sich an der Startlinie verhält – keine ganz einfache Situation, wenn Fahrtencrews auf Regattasegler treffen. Ausgesprochen und geklärt wurde es am Ende trotzdem. Sportlich lief der Tag dafür rund: eine souveräne Kreuz über den Bodden, Platz zwei.
Dienstag ging’s mit wenig Schlaf in den letzten Wettfahrttag – eine Mitseglerin war erst in den frühen Morgenstunden von der Party zurück, die von Montag auf Dienstag in Peenemünde lief. Taktisch versuchten wir unser Glück unter Land, was aber nicht ganz aufging. Wieder Platz zwei.
Unterm Strich: ein starker Sonntag, ansonsten die Konstanz, Platz zwei nach oben wie unten zu verteidigen. Kann man mit nach Hause nehmen.
Lars Lifson







