Die Boddenetappen 2026 hatten alles, was ein gutes Regattawochenende braucht: Wind, spannende Wettfahrten, Diskussionen über die Wertung, Party – und mindestens eine Crew, die das Thema Pünktlichkeit eher großzügig interpretierte. Aber dazu später mehr.
Für das Orga-Team beginnen die Boddenetappen bereits zu Jahresbeginn. Gemeinsam mit Torsten, Gunther und Christoph werden Route und Häfen geplant, Sponsoren angesprochen und all die großen und kleinen Dinge organisiert, die später möglichst reibungslos funktionieren sollen. Richtig heiß werden dann die letzten Tage mit Meldungen, Segelanweisungen, IBSS-Werten und der einen oder anderen sehr späten Nachmeldung.
Auch die Route steht lange vorher fest. Lubmin gehört traditionell zu den Boddenetappen, konnte uns nach dem Unglück im Frühjahr und der fehlenden Gastronomie 2026 leider nicht aufnehmen.

Am Freitag ist es dann endlich so weit: Im Schilfhaus öffnet die Anmeldung, die Unterlagen liegen bereit – die Boddenetappen können beginnen. Und für mich heißt das gleichzeitig: Wechsel vom Orga-Team zum aktiven Segler.
Auf der Place to be, einer First 36.7 meines langjährigen Segelfreundes Marcus, ging es für uns in der IBSS 1 um gute Ergebnisse – möglichst bei gleichzeitig guter Laune.
Dass bei den Boddenetappen Improvisation dazugehört, zeigte gleich die erste Wettfahrt am Freitag. Auf dem Vierteltonner vom Typ Hiddensee Klabüsterbeere brach der Großbaum. Aufgeben war offenbar keine Option: In der Nacht wurde mit dem Ersatzbaum eines anderen Schiffes repariert – und am Samstag stand die Klabüsterbeere wieder an der Startlinie.
Nach der ersten Wettfahrt wurde am Freitagabend beim ASV natürlich auch getanzt und gefeiert. Denn das gehört mindestens genauso zu den Boddenetappen wie Startlinie und Spinnaker.

Am Samstag zeigte sich dann, dass wir auf der Place to be zwar schnell segeln können, es mit der Pünktlichkeit aber nicht ganz so genau nehmen.
Zur zweiten Wettfahrt verließen wir den Hafen zu spät und starteten mit mehr als drei Minuten Rückstand. Bei der vierten Wettfahrt am Sonntag verpassten wir dann auch noch den Beginn des Startverfahrens. Wieder zu spät. Man muss schließlich konsequent sein.
Dazwischen lag unser Highlight: der Sieg in der dritten Wettfahrt nach Gager. Mit Spi über den Greifswalder Bodden und die Konkurrenz im Blick – genau dafür segelt man Boddenetappen. Spannend blieb es sogar nach dem Ziel, denn bei der Triple-Number-Wertung machte die Einstufung als „Medium“ oder „High“ einen Unterschied in der berechneten Ergebnisliste.
In Gager trafen anschließend rund 150 hungrige Segler auf die begrenzte Leistungsfähigkeit eines Pizzaofens. Die Hafencrew gab alles – und bei einem Getränk lässt sich bekanntlich auch etwas länger auf Pizza warten.
Am Sonntag zeigte der Bodden noch einmal Zähne. Unser Crewmitglied Stefan blieb bei einer Wende beim Seitenwechsel hängen und rutschte bei ordentlich Lage halb über Bord. Die Reling hielt ihn auf, alles ging gut. Es gibt vermutlich elegantere Möglichkeiten, Gewicht nach Luv zu bringen.
Wie es schneller geht, zeigte die Hanse 370 Relax de Luxe: Als eines der wenigen Boote absolvierte sie die vierte Wettfahrt ohne Reff und gewann ihre Gruppe mit deutlichem Abstand.
Für die Place to be wurde es am Ende Platz zwei in der IBSS 1. Ganz verschweigen wollen wir die kleine Schützenhilfe dabei nicht: Das bis dahin vor uns liegende Boot war bereits am Samstagabend beziehungsweise in der Nacht abgereist. Ohne dessen Abreise wäre für uns vermutlich nur Platz drei geblieben.
Aber am Ende geht es bei den Boddenetappen ohnehin um mehr als die Ergebnisliste. Sail & Dance beschreibt es wohl am besten: Auf dem Wasser wird ernsthaft um jeden Meter gesegelt, danach stehen die Crews gemeinsam im Hafen, erzählen, trinken und tanzen. Genau diese Mischung ist für mich auch nach mehr als 30 Jahren der Grund, immer wieder dabei zu sein – und inzwischen selbst bei der Organisation mitzuhelfen.
Wer wissen möchte, wie es sportlich genau ausgegangen ist: Die vollständigen Ergebnisse der 54. Greifswalder Boddenetappen gibt es bei Manage2Sail.
Und nach den Boddenetappen ist vor den Boddenetappen: 2027 geht es wieder vom 27. bis 29. August aufs Wasser.
Vielleicht schaffen wir es dann sogar pünktlich an die Startlinie.
Lars Lifson







