Geduldsspiel am Chiemsee

Dieses Jahr ging es für uns Mitte September zur Deutschen Jugendmeisterschaft der 29er an den Chiemsee. Für uns war das nicht einfach nur irgendeine Regatta. Wir wollten zeigen, was wir können, möglichst weit nach vorne kommen und vor allem wieder viel Erfahrung sammeln.

Lukas mit seinem Vorschoter Karl beim Greifswalder Boddenpokal 2026.

Aber wer sind eigentlich „wir“? Wir sind Karl Gustav Steinicke und Lukas Breitsprecher. Kennengelernt haben wir uns über den Segelsport und inzwischen segeln wir schon seit einiger Zeit gemeinsam 29er. Bei mir hat das Ganze allerdings schon viel früher angefangen: Meine ersten Segelversuche habe ich im Opti in Greifswald gemacht und bin dort viele Jahre in der Gemeinsamen Jugendabteilung beim Training und vielen Regatten gesegelt. Manche in Greifswald kennen mich vielleicht auch noch von der Mittwochsregatta, wo ich bei manchmal Tims Melges24 steuern durfte. Nach der Optizeit ging es dann für mich nach Rostock an die Sportschule. Seitdem starten ich mit Karl im 29er für den Rostocker Segelverein Citybootshafen (RSC92). Dass ich einige Jahre später mit einem Boot quer durch Deutschland fahre, um am Chiemsee bei der Deutsche Meisterschaft zu segeln, hätte ich mir damals wahrscheinlich auch nicht gedacht.

Am Chiemsee angekommen, konnten wir uns bei einer Trainingseinheit erst einmal mit dem Revier vertraut machen. Viel Wind gab es dabei allerdings nicht. Dafür gab es ordentlich Dreher – also genau das, was man bei einer Deutschen Meisterschaft natürlich immer gerne hat.

Der erste Regattatag war dann eher ein Geduldsspiel. Wir waren zwar früh auf dem Wasser, aber wirklich segeln konnten wir nicht. Nach einigen Startversuchen, Abbrüchen und viel Warten ging es schließlich wieder zurück an Land – ohne ein einziges Rennen.

Warten an Land.

Damit war klar: Die nächsten Tage mussten wir nutzen.

Am zweiten Tag hieß es deshalb sehr früh aufstehen. Die Hoffnung lag auf der morgendlichen Thermik und tatsächlich bekamen wir ein bisschen Wind zusammen. Wir konnten drei Rennen segeln, bevor der Wind wieder verschwand. Danach hieß es wieder warten, warten und noch mehr warten. So langsam hatte man das Gefühl, dass der Chiemsee mit uns einfach ein Geduldsspiel spielen wollte.

Am nächsten Morgen sah es dann erst einmal nicht besser aus. Dichter Nebel lag über dem Wasser und an Wind war kaum zu denken. Also wieder warten. Irgendwann war klar: Heute wird wohl erst einmal nichts passieren.

Zum Glück änderte sich das am Sonntag noch einmal. Wir fuhren direkt raus und warteten auf den Wind. Und diesmal wurden wir belohnt: Wir konnten noch vier Rennen segeln und sogar eine Wettfahrt gewinnen!

Die Ergebnisse waren insgesamt ziemlich durchwachsen und nicht konstant. 100 Prozentig zufrieden können wir damit deshalb nicht sein, aber das ist auch den komplizierten Bedingungen geschuldet. Trotzdem nehmen wir einiges von dieser Deutschen Meisterschaft mit. Gerade die schwierigen und wechselnden Bedingungen haben uns gezeigt, woran wir noch arbeiten müssen und wo wir schon gut mithalten können.

Lukas Breitsprecher

[Anmerkung der Redaktion: Die Jungs sind am Chiemsee starke Fünfte geworden, fahren also schon gut in der Deutschen Spitze mit. Ergebnisse hier]

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